Mit dem nächsten Morgen begrüsst uns Island mit Sonneschein ueber den sich auflösenden Nebelfetzen. Auch hier sehen wir Steilküsten, als die Fähre im ersten Morgengrauen in den Fjord von Seydisfjoerdur einfährt. Aber anders als auf den Farroer erkennt man hier schon, an den deutlich sichtbaren Schichten der steilen Wände, die vulkanische Vergangenheit der Insel. Das Auschecken von der Fähre und die Fahrt durch den isländischen Zoll gehen überraschend flott von statten. Ganz anders als wir in Reiseberichten gelesen haben. Für ein paar Stunden wird das kleine Städtchen Seydisfjordur von den angekommenen Touristen überschwemmt, die die einzige Bank belagern um Geld zu tauschen und an der nächstgelegenen Tankstelle den Kraftstoffvorrat aufzufüllen. Wir brechen aus diesem Getümmel sofort auf um in Richtung Egilstadier zu fahren, wo wir auf die Ringstrasse treffen werden, die um ganz Island herum führt.
Die Ringstrasse – östlicher Teil
Über Egilstadier fahren wir zuerst Richtung Myvatn, im Norden der Insel. Auf den ersten Kilometern ist die Ringstrasse asphaltiert, aber schon bald zeigt sich das erste von einer langen Reihe von Verkehrsschildern die wir noch sehen werden, die das Ende der asphaltierten Strecke anzeigen. Erst fahren wir vorsichtig auf dem, doch etwas ungewohnten, Untergrund. Aber wir gewinnen schnell an Erfahrung. Man lernt die Piste einzuschätzen, die hier ja noch relativ gut in Schuss ist, und bald erreichen wir auch hier eine gute Reisegeschwindigkeit. Noch ist auch hier die Landschaft links und rechts des Weges grün und wir sehen zahlreiche Bauernhoefe und Unmengen von jenen hellweissen Kunststoffballen die auf den Feldern herumliegen. Es sind Silageballen in denen das frisch gemähte Gras, von Kunststoffolie umwickelt, fermentiert.Ein Zeichen, dass die Landwirtschaft, vor allem die Viehzucht, auf Island gut funktioniert und diese Ballen werden wir überall auf der Insel zu sehen bekommen.Bald führt die Ringstrasse aus den fruchtbaren Tälern auf die ersten Gebirgsrücken und die Landschaft ändert sich. Der Bewuchs wird erst spärlich, verschwindet dann ganz. Die Piste erstreckt sich ueber die ersten noch kleinen Hochebenen und Trockentäler unserer Reise. Wir sind begeistert von dieser Landschaft, nicht ahnend was wir noch zu sehen bekommen sollten. In dieser Landschaft aus Geröll und Sand bekommen wir auch die erste frei herumlaufende Herde von Islandponys zu Gesicht.
Wir fahren weiter bis Grimstunga wo wir von den Hoehenrücken herunter in das Tal des Joekulsa a Föllum kommen. Der Gletscherstrom hat sich hier ein tiefes von Felsen gesaeumtes Tal geschaffen. Grimstunga selber besteht nur aus einer Tankstelle und einem Haus, stellt aber einen wichtigen Kreuzungspunkt der Ringstrasse mit den Strecken nach Norden und Süden dar. Wir überqueren den Fluß, der laut Reiseführer der wasserreichste Strom Europas ist, und folgen der Ringstrasse Richtung Osten in eine Ebene, die von erkalteten Lavaströmen bedeckt ist. Beim Erkalten auseinandergebrochen, sieht diese Lava aus wie grosse, grauschwarze Eisschollen. Diese Lavaströme, die auf islaendisch “Hraun” heissen, sind schon alt und mit Moosen und Flechten bewachsen und zwischen diesen Schollen wächst das Grün der Pflanzen bereits heraus. Am östlichen Ende des Buerfellshraun, wie dieser spezielle Lavastrom heisst, erhebt sich wieder eine Hügelkette vor der weisser Dampf aufsteigt.
Die Solfatarenfelder beim Myvatn
Die Hügelkette die sich quer vor uns erstreckt und auf die die Piste geradeaus zuführt, ist von hellgelber Farbe. Aufsteigende Dampffahnen lassen schon ahnen das hier etwas seltsames vor sich geht. Als wir näher herankommen riechen wir den Schwefelwasserstoff, dessen Geruch man von faulen Eiern kennen. Kurz bevor die Piste an dem etwa fussballfeldgrossen aktiven Gebiet am Fuss der Hügelkette vorbei führt, biegen wir links auf einen Parkplatz ab, der direkt an das Solfataren grenzt. Jetzt ist der Gestank wirklich penetrant. Zu Fuss erforschen wir das Gelände, dass touristisch nur soweit erschlossen ist, wie niedrige Absperrbänder den Besucher davon abhalten sollen auf die gefährlichen Stellen zu treten. Man kann erstaunlich nahe an die Schlammtöpfe, in denen es unablässig kocht, blubbert und stinkt, herangehen. Es ist faszinierend dabei zuzusehen wie sich immer neue abstrackte Formen in dieser zähen, grauen Schlammasse ergeben. In der Nähe dieser Schlammtöpfe zischen aus Loechern im Boden die Dampffontainen. Eine vorsichtige Annaeherung kommt schnell zu dem Ergebniss: Die Dinger sind auch wirklich heiss. Auch der Boden auf dem wir umhergeben, das ergibt die Handprobe, ist mehr als Handwarm. Zusammen mit Jupp beschliesse ich, nicht nur in der Ebene herum zu wandern sondern auch die angrenzenden Hügel, die von einem alten Vulkanschlot gekrönt sind, zu erklimmen. Der Weg ist schwierig, weil alles aus losem Geröll besteht. Mann muss fast jeden Schritt zweimal machen um voran zu kommen. Oben auf dem Schlot, der aus brökeligen, mit Blasen gefülltem Gestein besteht, reicht der Blick ueber die Hügelkette bis auf den, gerade in diesem Augenblick im Sonnenlicht liegenden, Myvatn (vatn = See); dem Ziel unsrer heutigen Etape. Ein herrlicher Anblick!
Wir steigen wieder den Hang wieder hinab, diesmal auf der anderen Seite des Vulkanschlotes. Hier füllt reiner, gelber Schwefel die daumenbreiten Risse im Boden aus. Deutliches Zeichen welche ernormen Kräfte hier auf den Untergrund gewirkt haben.
Wir fahren zurück auf die Piste der Ringstrasse, die kurz darauf ueber die Hügelkette führt. Lings und rechts der Strasse, die nun wieder frisch asphaltiert ist, leuchtet frisches helles Grün. Die Farbe des Bewuchses erstaunt mich etwas und als ich es mir näher ansehe, bemerke ich, dass das vermeintliche Grass in Wirklichkeit ein Rasen von Schachtelhalmen ist.Nach den Hügeln fahren wir vorbei an den Industriebauten einer Warmwassergewinnungsanlage, Richtung Reykjalid, das am Ostufer des Myvatn liegt.