Das Gebiet von Landmannalaugar empfängt uns mit einigen bösen Weichsandstellen auf der Piste. Mehrmals fahren wir in die kaum erkennbaren, vom Wind angewehten, Anhäufungen von Sand. Blitzschnell heisst es dann umschalten vom lockeren Lenkergriff, wie er auf Geröll notwendig ist, auf hartes Zupacken, um das Vorderrad in der Spur zu halten. Auch die Landschaft ändert sich: Von den, im Sonnenlicht silbrig-grau schimmernden, Hochlandebenen mit den sanften Hügeln tauchen wir ein in, vom Wasser, scharf geschnittene Täler, deren blossliegende Flanken Asche und Tuffablagerungen in allen möglichen Farben präsentieren. Direkt vor dem Campingplatz von Landmannalaugar müssen wir nochmals zwei Furten durchqueren, dann können wir unsre Zelte auf dem gut besuchten Platz aufbauen. Der Platz erstreckt sich zwischen dem gut 10 Meter hohen, fast senkrechten Ende eines erkalteten Lavastroms und einem Hochwasserschutzdamms der den Platz zum Schwemmland des Tales hin schützt. Als Besonderheit liegt hier am Rande des Platzes ein sogenannter Hot Pott. Ein natürliches heisses Bad, gespeist aus einer heissen Quelle die aus dem Lavastrom hervorkommt.
Dies ist auch die Bedeutung der Bezeichnung Landmannalaugar: Die Landmanna sind die Gebietshäuptlinge und Lauga heist Bad. Es handelt sich also um das Bad der Chefs, wenn Sie in Richtung Tingvellier zu der Isländischen Volksversammlung zogen. So ist es auch unsere erste Aktion nach dem Zeltaufbau, uns, nachdem Umziehen in einer Freiluftumkleide, in dem heissen Wasser aufzuwärmen. Die Temperatur des Wassers kann man wählen in dem näher an die Quelle heranrückt oder sich entfernt. Nur das ab und zu von dem flachen Kiesboden Gasbläschen aufsteigen irritiert etwas. Später beschliessen ich und Jupp noch einen, auf einem Trampelpfad erreichbaren, nahegelegenen Berg zu besteigen. nach einem wiederum mühevollen Aufstieg ueber das locker Material des Untergrunds, können wir erst richtig die Pracht dieses Gebietes ersehen. Die Farben reichen von weiss über alle Gelbtöne bis zum braun, dazwischen etwas Grün von Pflanzen und – von Tuffstein! Als Kontrast dazu liegen zwei riesige Lavastroeme mattschwarz, wie riesige urzeitliche Reptilien, zwischen den Bergen. Das Ganze erstreckt sich bis zum Horizont, wo erst jetzt trotz der späten Stunde die Sonne langsam untergeht. Wir steigen wieder ab, da es bei aufkommenden Wind empfindlich kalt wird. Der Abstieg führt uns, in Weiterführung des Pfades, auf den Lavastrom der oberhalb des Campingplatzes endet. Was von oben wie eine schwarze Flaeche aussah, erweist sich als metertief zerklüftete Gesteinsmassen, und der Weg ist oft nur durch Klettern zu bewältigen. Vor dem Zubettgehen beschliessen wir nochmals ein Bad im Hot Pott zu nehmen, wo selbst jetzt noch ein reger Betrieb herrscht.
Ein Sturm über Landmannalaugar
Eigentlich planen wir am nächsten Morgen weiter zufahren, aber als ich aufwache sehe ich nur die Plane meines Zeltes dicht vor meinem Gesicht wild flattern. Ein Sturm ist aufgekommen, der mein Zelt fast zu Boden drückt. Aber zumindest reisst es nicht, wie manches andere Zelt auf dem Platz. Als besser sturmtauglich erweisen sich die Tunnelzelte von Jupp und Uli, die kaum nachgeben. Wir beschliessen einen Ruhetag einzulegen und eine Wetteränderung abzuwarten, da das Fahren unter diesen Bedingungen ein Erleben der Landschaft unmöglich macht. Gegen Mittag lesen wir auf einem Thermometer die Temperatur ab: Nur wenig mehr als 3 Grad Celsius. fast den ganzen Nachmittag verbringen wir im Hot Pott, gewärmt von der Kraft des Erdinnern.
Skaftadalur
Gegen Abend wird das Wetter dann wieder besser und am nächsten Morgen koennen wir sogar wieder bei Sonnenschein losfahren. Wir fahren Richtung Südost durch das Skaftatal, in der sich die Landschaft von Landmannalaugar bis zur Küstenebene fortsetzt. Es gibt ungezählte Täler und Hügelketten zu überqueren. Wasser und Wind haben bizzare Formen in das Land geschnitten. Zur Farbenvielfalt von Landmannalaugar kommt so noch die Formenvielfalt. Auch die Piste bietet viel Abwechslung: Die Strecke ist voller enger Kurven mit losem Untergrund und steilen Auf- und Abfahrten. Kaum zum glauben, aber hier fahren sogar Buse. Zahlreiche kleine und grosse Furten müssen wir durchqueren und so mausern wir uns fast zu Profis. Das Beurteilen der Wassertiefe und das Finden der besten Strecke gelingt immer besser. Bei kleineren Bächen steigen wir gar nicht mehr ab um die Furt zu Fuss zu erkunden. Schliesslich erreichen wir wieder die Ringstrasse und fahren weiter bis Vik wo wir unsere Vorräte ergänzen. Die Ringstrasse ist hier eine gut ausgebaute Landstrasse und wir kommen schnell vorwärts. Ein kurzer Besuch des Skogafoss, der wohl der meist abgebildete Wasserfall auf Islandkalendern ist, fahren wir weiter bis Hella wo wir uns fuer das Nachtquartier eine Hütte mieten.