Die Hochlandpiste zur Askja

Bei wolkenverhangenen Himmel fahren wir am Morgen auf der Ringstrasse bis Grimstunga. In dieser Ortschaft, die aus nicht mehr als einer Tankstelle und einem Haus besteht, zweigt die Piste ab. Eine letzte Gelegenheit zum Tanken, den bis zur Askja und auch wieder zurück, egal welche Piste man nehmen wird, gibt es keine Gelegenheit mehr die Kraftstoffvorräte aufzufüllen. Das erste Stück kommen wir gut voran. Kaum etwas Grün zeigt sich am Wegesrand. Es wächst hier fast nichts. Kein Wunder das man hierher im alten Island die Mörder und Gesetzlosen verband hat. Und so heisst diese Gegend auch die Meuchelmörderwüste – Odadahraun.
Die Piste führt fast die gesammte Strecke dem Joekulsa A Fjoellum entlang, der sich weiter im Norden über den Dettifoss stürzen wird. Diesen Wasserfall hatte wir am Beginn unserer Reise besucht. Trotz der Nähe des grossen Flusses und der starken Niederschläge ist das ganze Gebiet knochentrocken und, wie schon gesagt, ohne jegliches Grün. Dies liegt daran das der von den Vulkanen stammende Untergrund so porös und durchlässig ist, dass alles Wasser sofort versickert. Die Piste führt durch weite Schotterflächen und gelegentlich über schwarze Lavaströme, die nicht von losem Material bedeckt sind und gelegentliche kleine Stufen aufweisen. Auch kurz hintereinanderliegende Kuppen und Senken machen das Fahren auf der harten Lava etwas interressanter. Aber als uns in einem solchen Feld einer der hochgebauten Hochlandbusse entgegenkommt, staunen wir nicht schlecht. Nie hätte ich geglaubt, dass diese Busse selbst mit diesen engen Pistenverhältnissen zurechtkommen.
Gegen Mittag erreichen wir den Herdubreid, der als der König der Vulkane gilt. Es handelt sich um einen sogenannten Subglacialen Vulkan, d.h. er entstand einst unter einem Gletscher und so ist sein Gipfel ein fast flaches Plateau. Es soll sogar eine Legende geben das sich auf dieser ebenen Gipfelfläche Asgard befinden soll – das Land der Nordischen Götter. Wir sehen davon allerdings wenig, denn seine Majestät hüllt sich in einen Wolkenvorhang und gewährt uns keine Audienz. Nach einem kurzen Aufenthalt fahren wir weiter in südlicher Richtung und kommen in ein riesiges Gebiert das nun ganz von kleinen, ca. 2 cm grossen, Bimssteinstücken bedeckt. Der Untergrund ist dunkel, fast schwarz. Der Bimsstein dagegen von einem hellen Beige. Dadurch zeichnet sich die Piste als zwei schwarze Linien vor uns ab. Auch die steileren Flanken der Berge und Hügel, wo der Bimsstein nicht liegen bleibt, zeichnen sich dunkler ab. In diesem Gebiet hatte die NASA damals ihr Mondauto getestet, weil die Gegend so mondähnlich ist.
Am frühen Nachmittag erreichen wir den Campingplatz bei der Drekkihütte, nahe der Askja. Es gibt eine kleine Hütte mit der Rezeption, eine etwas grössere fuer Übernachtungsgäste, ein Klohäuschen und einen Wasserhahn aus dem kaltes Wasser fliesst. Die Zelte kann man aufschlagen wo man will. Nach dem Aufschlagen der Zelte erkundigen wir uns bei der Rezeption ob es möglich sei im Hotpot der Askja zu baden. Möglich sei dies schon nur sei die Wassertemperatur wegen des vielen Regens der letzten Tage unter zwanzig Grad gesunken. Wir entschliessen uns dennoch am selben Tag den Krater der Askja zu besuchen. Fast zehn Kilometer beträgt die Strecke zwischen der Drekki und dem mehrere Kilometer grossen Askja Krater. Die Piste geht durch ein riesiges Lavafeld das in einem dunklen Rot gefärbt ist. Immer mehr Wolken ziehen auf und schliesslich beginnt es leicht zu Regnen. Am Rande des Kraters ist ein kleiner Parkplatz, wo wir die Motorräder abstellen müssen. Von nun an müssen wir zu Fuss weitergehen. Der Regen wird stärker als wir die Ebene im Inneren des Kraters durchqueren. Der Boden ist schwer und klebrig und wir schleppen bald große Dreckklumpen an unseren Stiefeln mit. Schliesslich erreichen wir den kleineren Vitikrater, der sich in einem etwa 20 Meter tiefen Loch mitten in dem Askjakrater befindet. Steil unter uns liegt der hellblau gefärbte See, von etwa 30 Meter Durchmesser, aus dem leichte Dampfwolken aufsteigen. Wir verzichten angesichts des Schlammes an den Hängen auf einen Abstieg. Der direkt hinter dem Viti liegende Oeskjuvatn, der tiefste See Islands, nimmt fast die ganze restliche Fläche des Askjakraters ein – mehrere Quadratkilometer. Aber er ist kalt wie ein Bergsee der Alpen. Nach einer Weile machen wir uns auf den Rückweg zum Campingplatz. Dort angekommen ist noch alles trocken, aber schon bald setzt auch hier Regen ein, so dass wir uns in unsere Zelte zurückziehen.