Das Gebiet um Reykjavik

Am nächsten Tag erwartet uns mal wieder Regen. Zuerst fahren wir zu dem Gehöft Keldur, wo man das älteste Haus Islands besichtigen kann. Dieses halb in die Erde gegrabene Haus besteht aus einer Reihe parallel liegender, grasbewachsener Giebeldächer. Die darunterliegenden Räume sind zu einem einzigen Haushalt zusammengefasst. Es ist sehr duster und es gibt eigentlich wenig zu sehen und es gibt keine Hinweis- oder Erklärungsschilder. Lediglich eine Tafel informiert ueber den Eintrittspreis der in einen Teller davor zu entrichten ist. Es ist keine Menschenseele zu sehen. Wir fahren weiter und das Wetter wird noch schlechter. Auf der Halbinsel Reykjanes sehen wir kaum noch die Piste, die voller knöcheltiefer Pfützen ist, vor lauter Nebel. Kurz vor Grindavik geht dann sogar noch ein Hagelschauer ueber uns nieder. Eigentlich war geplant in Grindavik auf den Campingplatz zu zelten, aber wir entschliessen uns, wegen des schlechten Wetters, bis zur blauen Lagune weiterzufahren.

Die Blaue Lagune
Nach einer sehr kurzen Diskusion, ueber das weitere Vorgehen, entschliessen wir uns einstimmig im Hotel Blaue Lagune Schutz zu suchen. Das hat zumindest den Vorteil das man bis zur blauen Lagune zu Fuss gehen kann. Also beginnen wir diesen Abend mit einem ausgiebigen Bad in dem weisslichblauen und heissen Wasser von dem diese Badeanlage ihren Namen hat. Als Badeanstalt ist das Ganze allerdings nicht geplant gewesen, ursprünglich war es nur der “Abwasserteich” einer grossen Wärmetauscheranlage die Reykjavik und Umgebung mit heissem Wasser versorgt. Irgendwann hat irgendjemand festgestellt das sich darin nicht nur prima baden lässt sondern, dass die gelösten Mineralsalze auch noch gut für alle möglichen Hautkrankheiten sind. So “schwimmen” wir einige Zeit durch die heissen und kühleren Strömungen dieses Freibades vor lauter Nebel nicht sehend was um einen herum geschieht, aber immer das Dröhnen und Zischen der fabrikähnlichen Anlage im Ohr. Das futuristisch aussehende Ding ist mit seinen vielen Lichtern im Nebel auch die Hauptattraktion des späteren Abends den wir im Ruheraum des Hotels mit einem Glas Wisky und klassischer Musik von Edward Grieg, und – eben- Aussicht auf Reykjaviks Heizung, verbringen. Wie wenn es nicht anders sein könnte beginnt der Morgen danach mit trockenem Wetter und etwas Sonnenschein. Wir umfahren Reykjavik, passieren kurz das Tingvellir und steuern sofort den Campingplatz von Laugavatn an. Unsere erste Aktion ist das Aufstellen der Zelte damit diese trocknen koennen. Der Platz liegt an dem Osthang eines Hügels mit prächtiger Aussicht auf den See und, in der Ferne, die Heklagruppe, einer der aktivsten Vulkanspalte Islands. Leider ist Sie in Dunst und Wolken fast nicht zu erkennen, an fotografieren ist gleich garnicht zu denken.

Geysir und Gullfoss
Also starten wir, nun ohne Gepäck, zu der Sehenswürdigkeit Islands, dem Geysir. Wobei der Geysir selber das Blasen eingestellt hat und nun, quasi wie ein Rentner, als stilles hellblaues Wasserloch daliegt. Das Arbeiten überlaest er nun seinem jüngeren Kollegen, dem Strokkur. Der lässt es dafür alle paar Minuten so richtig spritzen, bevor die ausgespeiten Wassermassen wieder mit einem gurgelndem, saugendem Geräusch in seinem Schlund verschwinden. Der Tourismus tritt dann auch wieder, anhand einer Busladung Japaner, deutlich ins Bewusstsein. Aber ganz touristisch fahren wir weiter zum Gullfoss einem weiteren gigantischen Wasserfall. Der hat seinen Namen “Gull”, was Gold bedeuted, weil er bei Sonnenschein golden glänzen soll. Leider scheint die Sonne nicht und so können wir nicht ueberprüfen ob er seinen Namen zu recht trägt. Imposant ist es trotzdem wie die Wassermassen sich in den tiefen Canjon stürzen.

Tingvellir
Am nächsten Tag ist nun ein Besuch des Isländischen Nationalheiligtums angesagt: dem Tingvellir. In diesem Grabenbruch hat sich seit dem Mittelalter das älteste Parlament der Welt, sozusagen Open Air, versammelt. Heute Pflichtprogramm fuer jeden Staatsgast, das eigentliche Parlament tagt heute in Reykjavik in einem Gebäude, wandern auch wir zwischen den beidseitig aufragenden Felswänden umher. Hier, so hören wir bei einer Führung mit, bricht der Mittelatlantische Rücken auseinander: Auf der einen Seite Amerika, auf der anderen Europa. Keine zwanzig Meter von einander Entfernt. Ganz so genau kann man das wohl nicht sagen, wie ich mir, bei einem Blick auf die östlich davon liegende Ebene, denke. Überall kann man ähnliche Risse in der Erdoberfläche sehen, wenn auch keiner so gross wie dieser. Und schliesslich verdankt ja die ganze Insel Island ihre Existenz den auseinandertrifftenden Kontinenten. Nach dem Besuch des Tingvellir trennen wir uns: Uli und Wolfgang fahren zurück nach Laugavatn, wo sie ein natürliches Dampfbad, erbaut ueber einer Dampfquelle ausprobieren wollen. Ich und Jupp fahren nach Reykjavik um etwas Stadtleben, mit Bummeln und Kaffetrinken zu geniessen.