Motorradreise durch Island

Nach Island zu fahren, war eigentlich schon seit langem ein Traum von mir. Nur hab ich Ihn nie verwirklicht. Irgend etwas kam immer dazwischen. Erst Sommer ’95, während einer total verregneten Alpentour, reifte in mir der Entschluss: Frieren und nasswerden kann ich auch in Island! Also begann ich damit Informationen zu sammeln wie man dort hinkommt und was man dort tun kann. Ein Ziel war von vornherein klar: Motorradfahren mit der Enduro auf den unbefestigten Wegen Islands.Das Problem des Hinkommens erledigte sich dann auch schnell. Da ich nichts gegen Schiffe habe und ich auch bisher gelegentliche Fahrten mit Faehren immer als willkommene Abwechslung genossen habe, wollte ich es mir diesmal nicht entgehen lassen mal ein paar Tage auf einem Schiff zu verbringen. Der Preis ist zwar stolz, aber die alternative Flugzeug ist noch teurer. Blieb nur noch ein Problem: Allein fahren wollte ich nun doch nicht.Keiner meiner Bekannten hatte Lust mich auf diesem kleinen Abenteuer zu begleiten.Also suchte ich mir, zum erstenmal, per Anzeige Reisegefährten.Dies klappte dann auch überraschend gut, so das ich diese Methode wohl auch in Zukunft noch manchmal anwenden werde.

Der Aufbruch nach Island
Nach fast einem Jahr Vorbereitungszeit, dass ein paar Treffen mit meinen Reisegefährten, Erfahrungsaustausch und nicht zuletzt auch Optimierung des Materials, sowohl des Motorrades sowie der Campingausrüstung, beinhaltete, war der Starttermin auf den 26. Juli ’96 festgelegt. Die Fähre hatten wir fast ein halbes Jahr im Voraus gebucht, um auch die Plätze sicher zu bekommen. Also startete ich mit Ulrich aus Kehl am Freitagmittag und wir fuhren bis ins Rheinland wo wir bei Jupp übernachteten. Dort stiess dann auch noch Wolfgang aus der Eifel zu uns und am folgenden Tag kämpften wir uns über die bundesdeutschen Autobahnen bis Dänemark durch. In Esbjerg an der dänischen Westküste legt die Fähre Norröna, der Farrörischen Smyril Reederei, jeden Samstag im Sommer ab, um nach Island zu fahren. Schon am Fährhafen konnte man an den wartenden Fahrzeugen und Menschen erkennen, dass dieser Urlaub recht wenig mit Ruhe und Entspannung zu tun haben würde. Es waren fast nur geländetaugliche Fahrzeuge vorhanden und auch den Leuten war anzusehen das Sie nicht auf dem Weg in Disko waren. Nach einer ruhigen Nacht erwartete uns, an unserem ersten Tag auf der Faehre, gutes Wetter. Das Sonnendeck war im Nu von den Passagieren bevölkert und man konnte nur mit viel Mühe einen der Liegestühle ergattern. Ein trügerisches Wetter, wie sich bald herausstellen sollte. Nach diesem ruhigen, sonnigen Tag, den wir dann doch tatsächlich mit Ruhe und Entspannung verbrachten, erwarteten uns die Farroerinseln mit Regen.

Die Färöer-Inseln
Am Montagmorgen muessen die Passagiere von Esbjerg die Fähre in Törshavn verlassen, damit diese nach Bergen fahren kann um die Fahrgäste von Norwegen abzuhohlen.Bei Nieselregen steuern wir den Campingplatz am Rande der farröerischen Hauptstadt an und schlagen die Zelte auf. Die Stimmung ist gedämpft – eigentlich wollten wir eine Tour über die Insel machen, doch die von Wolken verhangenen Berge lassen uns davon Abstand nehmen. Wir verschieben die Tour auf den nächsten Tag und wenden uns, zu Fuss, der Stadt zu. Törshavn ist nun nicht gerade sehr gross und wir muessen dann noch feststellen das mit einkaufen auch nichts ist, weil auf den Färöer ein Feiertag ist. Die Läden sind geschlossen und auf dem zentralen Platz der Stadt sind eine Menge Menschen, viele davon in Tracht, zusammengeströmt. Ein Chor singt und in einer feierlichen Prozession ziehen die Honoratioren auf den aufgebauten Podest. Erst später erfahren wir, dass der Grund für die Feierlichkeiten die anstehenden Wahlen zur Regierung der Färöer sind.
Also verschieben wir wieder alles auf Morgen und genehmigen uns im “Cafe Natur” am Hafen ein dunkles “Black Sheep” Bier für das wir umgerechnet etwa 12,5 DM bezahlen. Gegen Abend kommt dann doch überraschender Weise de Sonne heraus und wir können noch die Altstadt und die alte Festung besichtigen.Am nächsten Tag ist das Wetter jedoch noch schlechter. Ein Sturm tobt über die Inseln und ich muß den ganzen Tag mit dem Wind um mein Zelt kämpfen. An eine Motorradtour ist nicht zu denken. Das schlechte Wetter bleibt bis in die Nacht, die hier bereits fast durchgehend hell ist.Erst am Dienstagmorgen können wir, bevor wir wieder auf der Fähre einchecken, eine kleine Tour durch die Berge in der Nähe von Törshavn unternehmen. Das Wetter bleibt gut als die Norroena gegen Mittag den Hafen verlässt.Nun bieten sich uns, vom Sonnendeck aus, die spektakulären Ansichten der farroerischen Steilküsten die wir erwartet hatten. Die Fähre kommt auf ihren Kurs durch das Archipel immer wieder erstaunlich nahe an die Steilküsten heran.